Der Pflegegrad 2

Es besteht gegenwärtig noch keine gesetzliche oder anderweitig rechtsverbindliche Festlegung der Voraussetzungen des Pflegegrades 2.

Die nachfolgenden Ausführungen beruhen auf dem Abschlussbericht "Analysen für die Entwicklung von Empfehlungen zur leistungsrechtlichen Ausgestaltung des neuen Pflegebedürftigkeitsbegriffs", den das Institut für Pflegewissenschaft an der Universität Bielefeld (IPW) und den Medizinischen Dienst der Krankenversicherung Westfalen-Lippe (MDK WL) im Auftrag des Bundesgesundheitsministeriums erstellt haben.

Auf der Grundlage dieses Abschlussberichts könnte der Pflegegrad 2 wie nachfolgend dargestellt definiert bzw. anhand von Beispieldiagnosen näher umrissen werden:

In den Pflegegrad 2 werden Personen mit und ohne Einschränkung der Alltagskompetenz eingestuft.

Personen ohne Einschränkung der Alltagskompetenz

Beispielsweise könnten zur Gruppe der Personen ohne Einschränkung der Alltagskompetenz im Pflegegrad 2 Pflegebedürftige mit stärker ausgeprägten Störungen des Bewegungsapparates sowie mit Folgen eines Schlaganfalls gehören.

Hilfen bei Alltagsverrichtungen

Der Grundpflegebedarf im Sinne des SGB XI bei dieser Personengruppe des Pflegegrades 2 liegt zwischen 30 und 127 Minuten.

Fast alle Personen benötigen neben Hilfen beim Waschen und Kleiden auch Unterstützung beim Toilettengang. Dies heißt, dass nicht nur einmal täglich bei zwei Verrichtungen oder morgens und abends bei der Grundpflege Hilfe erforderlich ist, sondern der Hilfebedarf mindestens drei bis maximal 15 Mal täglich zu verschiedenen Zeiten anfällt. Viele Betroffene wohnen allein, so dass wenigstens vier pflegerische Einsätze durch Angehörige oder Pflegedienste geleistet werden müssen. Selbst wenn lediglich 30 Minuten direkte Pflegeleistungen für die Person erbracht werden, ist so der personelle Einsatz durch An- und Abfahrt wesentlich höher.

Psychosoziale Unterstützung

Psychosozialer Unterstützungsbedarf besteht bei Personen des Pflegegrades 2 ohne Einschränkung der Alltagskompetenz überwiegend bei der Erledigung von finanziellen oder behördlichen Angelegenheiten, eventuell aber auch bei der Kontaktpflege nach außen.

Nächtlicher Hilfebedarf

Nächtliche Hilfen sind bei einigen Personen des Pflegegrades 2 dieser Gruppe je einmal pro Nacht notwendig.

Präsenz am Tage

Personelle Präsenz am Tage ist nicht notwendig.

Unterstützung beim Umgang mit krankheitsbedingten Anforderungen

In der Regel haben alle Betroffenen einen erheblichen oder hohen Unterstützungsbedarf beim Umgang mit krankheitsbedingten Anforderungen, Hilfen bei der Medikamentengabe, beim Spritzen von Insulin oder bei Arzt- oder Therapeutenbesuchen.

Organisation der Hilfen

Nur zu einem zeitlich geringen Teil werden die Hilfen als Sachleistungen durch einen Pflegedienst erbracht, etwa einmal pro Woche als Hilfe zum Baden oder wenn der Angehörige in Ausnahmefällen beruflich abwesend ist. Es ist auch möglich, dass der Pflegedienst etwa 2 Mal am Tag kommt. Überwiegend werden die Hilfen aber durch Angehörige erbracht.

Besonderheiten

Personen, die mit einem Grundpflegeaufwand von 30 Minuten nach der alten Regelung (Pflegestufen) keinen Anspruch auf Leistungen der Pflegeversicherung hatten, können nach der Neuregelung im SGB XI jedoch den Pflegegrad 2 erhalten. Das kann etwa bei alleinlebenden Personen mit erheblichen Mobilitätsbeeinträchtigungen, allgemeiner Schwäche und Schwindel der Fall sein, die nur einmal täglich die Hilfe eines Pflegedienstes zur Grundpflege in Anspruch nehmen, , ansonsten morgens und abends Unterstützung von einem Angehörigen bei der Nahrungszubereitung und hauswirtschaftlichen Tätigkeiten erhalten.

Personen mit eingeschränkter Alltagskompetenz

Zur Gruppe der Personen im Pflegegrad 2 mit erheblich oder in erhöhtem Maße eingeschränkter Alltagskompetenz können beispielsweise Personen mit einer Demenz im Anfangsstadium gehören. Körperlich Beeinträchtigungen können, müssen aber nicht hinzu kommen.

Hilfen bei Alltagsverrichtungen

Personen im Pflegegrad 2 mit eingeschränkter Alltagskompetenz ohne motorische Beeinträchtigungen brauchen nur Impulsgaben und Kontrollen, dann führen Sie die Maßnahmen der Grundpflege selbständig durch. Der Zeitaufwand in diesem Bereich liegt deshalb bei nur 8 bzw. 10 Minuten. Bei diesem konkreten Zeitaufwand handelt es sich um eine Aufforderung, kurze Anleitung oder Kontrolle zur Durchführung der notwendigen grundpflegerischen Verrichtungen oder zum Toilettengang. Diese 8 oder 10 Minuten Hilfeleistung sind zudem verteilt über den Tag. Sie sind etwa 10 Mal täglich notwendig.

Bei den Betroffenen können auch zusätzliche körperlich Beeinträchtigungen bestehen, die zu einem höheren Grundpflegebedarf von 51 bzw. 58 Minuten führen, etwa durch Teilübernahme von Hilfe beim Waschen und Kleiden und bei den Toilettengängen, wobei die Häufigkeit der Hilfen bei etwa 4 Mal pro Tag liegt.

Psychosoziale Unterstützung

Die Personen des Pflegegrades 2 mit Einschränkungen in der Alltagskompetenz benötigten zwischen 5 und 10 Mal am Tag psychosoziale Unterstützung.

Die Unterstützung bezieht sich auf die Tagesstrukturierung, beinhalt Gespräche, Vorlesen, Einbeziehen in Alltagsaktivitäten im Haushalt oder Beschäftigungsangebote.

Die Betroffenen leben mit Familienangehörigen zusammen und werden den ganzen Tag über immer wieder angesprochen und einbezogen. Die konkreten Betreuungsleistungen (z.B. Ansprache) findet parallel zu anderen Tätigkeiten der Pflegepersonen statt, beispielsweise beim gemeinsamen Vorbereiten des Mittagessens.

Die Betroffenen können aber auch alleine leben und von außerhalb wohnenden Angehörigen mehr oder minder regelmäßig besucht werden. Dann fehlen oft Ansprache und psychosoziale Betreuung im ausreichenden Maß oder werden nur unzureichend im Rahmen der Einsätze des Pflegedienstes oder der Besuche von Angehörigen oder Nachbarn erbracht.

Nächtlicher Hilfebedarf

Nächtlicher Hilfebedarf besteht für Personen im Pflegegras 2 mit eingeschränkter Alltagskompetenz in aller Regel nicht.

Präsenz am Tage

Die betroffenen Personen müssen beobachtet werden, um zu erkennen, wann ein Eingreifen notwendig ist. Dies ist Im familiären Umfeld gewährleistet. Bei alleinlebenden Personen sind in der Regel 5 Einsätze täglich organisiert. Alle Personen sind noch in der Lage, im gewohnten Umfeld über einige Stunden alleine zurechtzukommen. Mit außergewöhnlichen Situationen sind sie jedoch überfordert.

Unterstützung beim Umgang mit krankheitsbedingten Anforderungen

Überwiegend ist eine Hilfe bei der Medikamentengabe notwendig.

Organisation der Hilfen

Alleinlebende Personen erhalten, wie erwähnt, 2 bis 5 Mal am Tag Sachleistungen durch einen Pflegedienst und zwischenzeitlich Besuche durch Angehörige oder Nachbarn. Weitere Betreuungsangebote wären wünschenswert, etwa eine zugehende niedrigschwellige Betreuung.

Pflege muss die Menschenwürde achten

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