Pflegegrade statt Pflegestufen = ambulant vor stationär

Die Pflegereform 2017 mit ihrem Pflegestärkungsgesetz II hat das Prinzip „ambulant vor stationär“ in der gesetzlichen Pflegeversicherung weiter ausgebaut. Das ist beispielsweise daraus abzulesen, dass die Pflegesachleistungen bei Pflege und Betreuung durch einen ambulanten Pflegedienst oder Tages- und Nachtpflege insbesondere für die zumeist zu Hause versorgten Demenzkranken mit „Pflegestufe 0“ und Pflegebedürftigen mit Pflegestufe 1 besonders deutlich erhöht wurden. Diese Personengruppen erhielten ab 2017 automatisch den Pflegegrad 2. Die folgende Tabelle zeigt die finanziellen Unterschiede Pflegestufen – Pflegegrade für Pflegesachleistungen in der ambulanten Pflege.

Tabelle: Pflegesachleistungen Pflegestufen – Pflegerade

Bis 31.12.2016Ab 01.01.2017Unterschied
„Pflegestufe 0“ (nur Demenz): 231 EuroPflegegrad 2: 689 EuroErhöhung um 458 Euro
Pflegestufe 1: 468 EuroPflegegrad 2: 689 EuroErhöhung um 221 Euro
Pflegestufe 2: 1.144 EuroPflegegrad 3: 1.298 EuroErhöhung um 154 Euro
Pflegestufe 3: 1.612 EuroPflegegrad 4: 1.612 EuroKein Unterschied
Härtefall mit Pflegestufe 3: 1.995 EuroPflegegrad 5: 1.995 EuroKein Unterschied

Pflegegeld unverändert

Nahezu unverändert blieb hingegen das Pflegegeld bei der häuslichen Pflege durch Angehörige oder Freunde für Pflegebedürftige mit den Pflegestufen 1, 2 und 3; diese erhielten automatisch die Pflegegrade 2, 3 oder 4.

Demenzkranke besser gestellt

Demenzkranken mit der alten „Pflegestufe 0“, also mit festgestellter Einschränkung der Alltagskompetenz erhielten ab dem 1. 1. 2017 den Pflegegrad 2 zuerkannt. Ihr Pflegegeld stieg ab 2017 von 123 Euro um 422 Euro auf 545 Euro.

Härtefälle der alten Pflegestufe 3 besser gesellt

Die Härtefälle der alten Pflegestufe 3, die zu Hause von Angehörigen versorgt werden, erhielten ab dem 1. 1. 2017 den Pflegegrad 5 und damit ein Pflegegeld von 901 Euro.

Alte Pflegestufen 2 und 3 im Pflegeheim schlechter gestellt

Pflegebedürftige in vollstationärer Pflege in einem Altenheim oder Pflegeheim mit den alten Pflegestufen 1 und 2 erhielten die Pflegegrade 2 und 3 zuerkannt. Ihr Eigenanteil für die Pflege ist ab dem 1. Januar 2017 gestiegen. Ab 2017 sind die Zuschüsse zur stationären Pflege gesunken für Heimbewohner mit der alten Pflegestufe 1 , jetzt Pflegegrad 2, und für Bewohner mit der alten Pflegestufe 2, jetzt Pflegegrad 3.

Alte Pflegestufe 3 im Pflegeheim besser gestellt

Heimbewohner mit der alten Pflegestufe 3, jetzt Pflegegrad 4, erhalten mehr Geld von der Pflegekasse, genauso wie und Härtefälle mit der alten Pflegestufe 3, jetzt Pflegegrad 5.

Tabelle Leistungssätze für stationäre Pflege im Vergleich

Bis zum 31.12.2016Ab 1.1.2017Unterschied
Pflegestufe 1: 1.064 EuroPflegegrad 2: 770 EuroKürzung um 294 Euro
Pflegestufe 2: 1.330 EuroPflegegrad 3: 1.262 EuroKürzung um 68 Euro
Pflegestufe 3: 1.612 EuroPflegegrad 4: 1.775 EuroErhöhung um 163 Euro
Härtefall mit Pflegestufe 3: 1.995 EuroPflegegrad 5: 2.005 EuroErhöhung um 10 Euro

Pflegebedürftige in einem Alten- und Pflegeheim müssen ab 2017 die gleichen Eigenanteile bezahlen, egal, welchen Pflegegrad sie erhalten haben. Nach altem Recht wurden – abhängig von der Pflegestufe – unterschiedliche eigene Zuzahlungen fällig.

Wer zahlt die Pflegereform?

Die Pflegereform bringt mehr Leistungen für Pflegebedürftige. Dies muss finanziert werden. Allein bis zum Jahr 2017 werden zusätzlich 4,8 Milliarden Euro an Ausgaben veranschlagt. Danach rechnet die Bundesregierung mit jährlich 2,4 Milliarden Euro an Mehrausgaben. Finanziert werden die Leistungen der Pflegeversicherung auch künftig durch die Mitglieder. Sie müssen in Zukunft 0,2 Prozentpunkte mehr für die Pflegeversicherung zahlen.